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Was ist XAML Standard?

XAML Standard ist am 11.5.2017 erstmals öffentliche benannte Spezifikation für einen Funktionsumfang von XAML, die von verschiedenen XAML-Varianten implementiert werden kann.

In Arbeit: XAML Standard 1.0

https://github.com/Microsoft/xaml-standard

11.5.2017
Microsoft hat heute auf seiner Entwicklerkonferenz BUILD in Seattle angekündigt, die verschiedenen Dialekte seiner Oberflächenbeschreibungssprache eXtensible Markup Application Language (XAML) [www.dotnet-lexikon.de/eXtensibleApplication_MarkupLanguage/lex/675.aspx] zu vereinheitlichen. Analog zu der .NET Standard-Definition für die nicht-visuellen .NET-Basisklassen soll der neue XAML Standard [https://github.com/Microsoft/xaml-standard] eine einheitliche Spezifikation liefern, an die sich die XAML-Implementierungen halten sollen, sodass ein Entwickler Benutzeroberflächendefinition zwischen verschiedenen Plattformen austauschen kann.

XAML, das Microsoft einst als Ersatz für HTML andachte, ist erstmals in .NET Framework 3.0 im Rahmen der Windows Presentation Foundation (WPF) für die Erstellung von Windows-Desktop-Anwendungen ausgeliefert worden. Später nutze Microsoft es in abgewandelter Form in Silverlight als Webbrowser-Plug-In und Silverlight für Windows Phone sowie den in Windows 8 eingeführten Modern Windows Apps (heute Teil der Windows Universal Platform in Windows 10). Nachdem auch der damals noch eigenständige Hersteller Xamarin eine nicht-kompatible XAML-Implementierung unter dem Namen "Xamarin Forms" für die Entwicklung auf iOS, Android und Windows Phone veröffentlichte, gibt es heutzutage fünf Dialekte von XAML. Die gravierenden Inkompatibilitäten entstehen nicht nur durch unterschiedliche Namensräume, sondern auch durch unterschiedliche Steuerelemente bzw. Steuerelementeigenschaften sowie auch anders implementierte Grundmechanismen im Bereich der Gestaltung und Datenbindung.

XAML-Wildwuchs treibt Entwickler zu HTML

.NET-Entwickler leiden heutzutage unter diesem Wildwuchs bei XAML, weil sie nicht Oberflächen, die sie für Windows entwickelt haben, ohne wesentliche Veränderungen auf andere Plattformen übernehmen können. Für Cross-Plattform-Entwicklung mit XAML muss man heute in der Regel mehrere Oberflächenbeschreibungen parallel pflegen. Damit ist XAML deutlich im Nachteil gegenüber HTML, dass sich nicht nur im Web, sondern zunehmen auch als Cross-Plattform-Desktop-UI durchsetzt.

Microsoft will der zunehmenden Abkehr von XAML nun entgegensteuern mit dem XAML Standard. Unklar ist bleibt, welchen Umfang die erste Version des XAML-Standards haben wird. Auf der der Github-Projektseite gibt es bisher nur einen rudimentären Entwurf [https://github.com/Microsoft/xaml-standard/blob/staging/docs/v1draft.md] für die Steuerelemente Page, UserControl, StackPanel, Grid, Button, TextBlock, TextBox und ComboBox. Dies ist jedoch nur ein Bruchteil der heute verfügbaren XAML-Steuerelemente. Auch sind im Entwurf nur sehr wenige Eigenschaften dieser Steuerelemente festgelegt.

Laut Microsoft-Architekt Abolade Gbadegesin soll die Version 1.0 des Standards noch 2017 erscheinen, wobei dies sich wohl auf die Spezifikation bezieht. Bis zu einer Umsetzung des Standards wird noch mehr Zeit vergehen. Microsoft benennt auf der Startseite des Projekts zunächst nur Xamarin Forms für iOS und Android sowie Windows 10 UWP-XAML als Zielframeworks. Im FAQ [https://github.com/Microsoft/xaml-standard/blob/staging/docs/faq.md] wird dann erwähnt, dass am Ende der Reise auch zumindest eine teilweise Austauschbarkeit mit WPF-Oberflächen stehen könnte. Linux und MacOS sind in dem Zusammenhang bisher kein Thema.

.NET Standard für UWP Apps

Im Rahmen der BUILD-Konferenz hat Microsoft auch bekanntgegeben, dass noch im Laufe des Jahres 2017 im Rahmen des Windows 10 Herbst-Updates neben .NET Core 2.0 auch die Windows 10 Universal Plattform den .NET Standard 2.0 implementieren wird. Damit stehen dann dort auch erstmals Klassen zum Beispiel für .NET Reflection sowie ADO.NET für den direkten Datenbankzugriff. Bisher konnte eine Windows Universal App nur lokale Datenbanken wie SQLite ansprechen. Datenbanken auf anderen Systemen und selbst in anderen Prozessen auf dem gleichen Rechner kann eine solche App bisher nur über Webservices ansprechen.

Auch in anderen Bereichen sind UWPs heutzutage stark eingeschränkt oder müssen auf Klassen der Windows Runtime Library (WinRT) ausweichen, obwohl es für die gleiche Aufgabe auch .NET-Klassen dafür gäbe. Es war bei der Entwicklung von Windows 8 eine Entscheidung im Windows-Entwicklungsteam von Steven Sinofsky [https://de.wikipedia.org/wiki/Steven_Sinofsky], .NET in der modernen Windows App-Welt klein zu halten. Diese Entscheidung wird nun mit dem .NET Standard 2.0 grundsätzlich revidiert.

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